Das Pflegetagebuch

Was ist ein Pflegetagebuch?

Das Pflegetagebuch ist eine schriftliche Dokumentation, die man führt, um die tatsächliche Pflegebedürftigkeit einer pflegebedürftigen Person zu dokumentieren. Damit das Pflegetagebuch repräsentativ ist, sollte man sich bei der Dokumentation am Fragenkatalog des Medizinischen Dienstes und folgenden sechs Modulen orientieren.

Wer sollte ein Pflegetagebuch führen?

Ein Pflegetagebuch sollten pflegende Angehörige, vor allem auch von Demenzkranken, führen. Auch die pflegebedürftige Person selbst kann ein solches Tagebuch führen, sofern sie dazu noch in der Lage ist. Generell ist es wichtig, dass jede Person, die an der Pflege beteiligt ist, das Pflegetagebuch nutzt und den Pflegealltag dokumentiert.

Warum sollte man ein Pflegetagebuch führen?

Ein Pflegetagebuch sollte man unter anderem führen, um selbst einen besseren Überblick über den Pflegealltag zu erlangen. Was läuft gut? Was läuft schlecht? Gibt es Besonderheiten? Gibt es vielleicht irgendwo Optimierungsbedarf? In welchen Situationen ist der Pflegebedarf größer, wo geringer? Wie gut ist die Selbstständigkeit in bestimmten Situationen? Orientieren sollte man sich dabei an den bereits vorab gezeigten sechs Modulen des MD.

6 Module Medizinischer Dienst

Das Führen eines Pflegetagebuchs hilft zum Beispiel, die Pflegebedürftigkeit, sowie die noch vorhandene Selbstständigkeit bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst besser belegen zu können. Wichtig ist dies einerseits als Vorbereitung auf den Gutachtertermin, der bevorsteht, nachdem man einen Antrag auf einen Pflegegrad gestellt hat. Es erhöht die Chancen, einen realistischen Pflegegrad bewilligt zu bekommen, da der Gutachter / die Gutachterin einen besseren Überblick über die Pflegesituation erlangt, als es der kurze Zeitrahmen, der beim Besuch zur Verfügung steht, kann. 

Zudem bietet das Pflegetagebuch einen ganzheitlichen Überblick über die Pflegesituation und hilft auch der pflegendenen Person, den tatsächlichen Pflegeaufwand und eventuelle Schwierigkeiten besser beurteilen zu können.

Ein wichtiges Dokument kann ein sorgfältig und lückenlos gepflegtes Pflegetagebuch auch dann sein, wenn der Antrag auf einen Pflegegrad abgelehnt wurde, wenn man das Gefühl hat, dass man / der Pflegling in einen zu niedrigen Pflegegrad eingestuft wurde oder man einen Antrag auf einen höheren Pflegegrad stellen möchte, weil die Pflegebedürftigkeit gestiegen ist.

Wie führt man ein Pflegetagebuch?

Ein Pflegetagebuch sollte strukturiert und nicht emotional, wie ein normales Tagebuch geführt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Pflegesituation ehrlich und realistisch geschildert wird. Man sollte nichts beschönigen, aber auch nichts dramatisieren. Wichtig auch: Aufgrund der Ablösung der Pflegestufen durch Pflegegrade zum 01.01.2017 spielen genaue Zeitangaben, zum Beispiel für das Brote schmieren, waschen oder führen des Haushalts, KEINE Rolle mehr.

Was schreibt man in ein Pflegetagebuch?

Zunächst einmal gehören in das Pflegetagebuch persönliche Daten der zu pflegenden Person, wie Name, Vorname, Geburtsdatum, ggf. gesetzlicher Vertreter / Betreuer, Angaben zur pflegenden Person / zu den pflegenden Personen etc.. Diesen Angaben sollte ein kurzer Abriss über die aktuelle Pflegesituation folgen. Hilfreich ist es, wenn diesem Belege, zum Beispiel Arztbriefe etc., beiliegen. Ist das erledigt, folgt das eigentliche Tagebuch. Für eine bessere Belegbarkeit sollte jedem Pflegetag das entsprechende Datum hinzugefügt werden. 

Dann erfolgen pro Tag Angaben zu den Pflegetätigkeiten, bzw. dazu, wie selbstständig der Pflegling in den relevanten Situationen jeweils war.  Als Grundlage dienen jeweils die 6 Module aus dem Fragenkatalog des MD (Medizinischer Dienst). 

Zusätzliche Angaben, die in ein Pflegetagebuch gehören, sind Anmerkungen zu verwendeten Pflegehilfsmitteln (Rollator oder sonstige Gehhilfe, Inkontinenzmaterial, Kompressionsstrümpfe etc.), sowie individuelle Anmerkungen, zum Beispiel zu Eigenarten des Pfleglings (wird er / sie in bestimmten Situationen aggressiv? Reagiert er / sie auf gewisse Trigger besonders sensibel? Vergisst er / sie viel? Wenn ja, was konkret?).

Das Pflegetagebuch - Basiseinträge

Außerdem wichtig, auch wenn es unangenehm ist, Themen wie Hilfestellungen bei der Intimhygiene sollten nicht unter den Tisch gekehrt werden!

Wie lange sollte man ein Pflegetagebuch führen?

Um einen möglichst genauen und ausführlichen Überblick über die Situation zu geben, sollte das Pflegetagebuch mindestens zwei Wochen, eher länger. Hat man einen Pflegegrad erstmals beantragt, so lang, wie es dauert, bis der Pflegegrad genehmigt und als angemessen eingeschätzt wurde. Wurde der Antrag abgelehnt, oder empfinden Sie die Einstufung als ungerechtfertigt, sollte das Pflegetagebuch auf jeden Fall weitergeführt werden, um bei einem Widerspruch bessere Karten auf einen künftigen Erfolg zu haben.

Was ist das Ziel eines Pflegetagebuchs?

Die Ziele eines Pflegetagebuches sind vielseitig. Primär sollen alle Pflegeleistungen in bestimmten Situationen lückenlos nachgewiesen und der Pflegealltag realistisch dargestellt werden. Muss, oder möchte man die Pflege teilweise oder komplett einem Pflegedienst anvertrauen, kann das Tagebuch eine gute Vorbereitung auf das erste Gespräch sein. Aber auch der pflegenden Person selbst kann es helfen, die Pflegetätigkeiten und den dafür benötigten Aufwand besser einzuschätzen.

Woher bekommt man ein Pflegetagebuch?

Ein Pflegetagebuch kann man sich natürlich digital oder analog selbst erstellen, zum Beispiel in einer Kladde, oder einer G-Drive-Datei. Dabei nimmt man am besten den Fragenkatalog des MD zur Hilfe. Diesen kann man kostenlos im Internet herunterladen. Aufgrund der Komplexität ist dies mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Daher empfehlen wir, entsprechende Vorlagen bei einem gängigen Pflegeportal oder bei Ihrer Krankenkasse herunterzuladen. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass die Vorlagen aktuell sind und NICHT der Zeitaufwand für die jeweiligen Pflegetätigkeiten abgefragt wird! Diese Dokumente sind veraltet und haben für die Einschätzung des MD zur Pflegebedürftigkeit eines Menschen keine Relevanz mehr.

Über Ursula Hofstetter

Ursula Hofstetter ist seit 2016 Mitarbeiterin der ARDMED. Ihre Fachexpertisen liegen im Bereich Altenpflegeprodukte und der stationären Langzeitpflege. 2017 hat sie sich zur zertifizierten Inkontinenz-Fachberaterin weiterbilden lassen.



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