Harninkontinenz

Ursachen & Behandlungsmöglichkeiten

Verlieren Sie plötzlich und unkontrolliert kleine, oder größere Mengen Urin, liegt eine Harninkontinenz vor. Sowohl Frauen, als auch Männer leiden unter dieser Inkontinenzform. Wir erklären die Hintergründe, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Menschen Harninkontinenz
  • Was ist Harninkontinenz? Der unkontrollierte, unwillkürliche Verlust von Urin
  • Harninkontinenz Symptome: Urinabgang bei Anstrengung ohne vorherigen Harndrang, plötzlicher Harndrang und schwallartige Blasenentleerung, unkontrollierter Urinverlust im Stehen oder Liegen ohne Harndrang
  • Harninkontinenz Ursachen: Krankheiten, Schwangerschaft, COPD (chronischer Husten), schwache Beckenbodenmuskulatur( vor allem bei Frauen), Veranlagung, falsches Verhalten bei der Toilettennutzung, Medikamente
  • Untersuchungen: Miktionsprotokoll, Urinuntersuchung, Restharnmessung, Gynäkologische, oder Urologische Untersuchung, Neurologische Untersuchung
  • Therapie: Beckenbodentraining, Blasentraining, Medikamente, Gewichtsreduktion, individuelle Optionen, wie OPs, Elektrostimulation, Hormontherapie
  • Fazit: Es gibt mehrere Formen der Harninkontinenz. Sie kann viele verschiedene Ursachen haben. Auch die Symptome sind unterschiedlich. Darum muss eine Therapie stets individuell auf die Person abgestimmt sein.

Was ist Harninkontinenz (Definition)?

Harninkontinenz ist der unkontrollierte, unwillkürliche Verlust von Urin. Sie muss nicht zwingend chronisch sein. Zum Beispiel kann es sein, dass sie nach der Schwangerschaft innerhalb eines Jahres wieder verschwindet.

Die drei häufigsten Formen der Harninkontinenz sind:

  • Belastungsinkontinenz
  • Mischinkontinenz (eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz)
  • Dranginkontinenz

Weitere Formen sind: Reflexinkontinenz und Überlaufinkontinenz

Wer ist von Harninkontinenz betroffen?

Harninkontinenz betrifft durchaus nicht nur ältere Menschen, auch Jüngere können betroffen sein. Dabei ist es egal, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Auch sind es nicht einige wenige Personen, die unter Harninkontinenz leiden. Allein in Deutschland trifft es mindestens 5.000.000 Menschen (Männer und Frauen ab vier Jahren). Die Dunkelziffer ist aber sicherlich höher, denn das Thema ist vielen eher unangenehm und sie versuchen im Stillen damit klar zu kommen. Dabei ziehen sie sich oftmals aus dem sozialen Leben zurück.

Welche Ursachen hat Harninkontinenz?

Die Ursachen von Harninkontinenz sind vielfältig.

Zum einen kann Harninkontinenz durch diverse Krankheiten entstehen, z. B. Multiple Sklerose, Diabetes, Demenz / Alzheimer, Parkinson, zum anderen kann sie nur temporär, zum Beispiel vor, oder nach einer Schwangerschaft auftreten. Auch eine Schwächung des Beckenbodens ist eine mögliche Ursache. Hier aber vor allem bei Frauen, denn der weibliche Beckenboden hat mehr Durchgänge (3) , als der Männliche (2).

Bei Frauen kommt eine Schwächung des Beckenbodens vor allem durch ein schwaches Bindegewebe, hormonelle Veränderungen, Schwangerschaft oder allgemein durch schwächere Beckenbodenmuskeln zustande.

Permanenter Druck auf den Bauch, zum Beispiel bei COPD (chronischem Husten), oder auch Übergewicht sind Risikofaktoren. Manche Medikamente können ebenfalls den Blasenmuskel stimulieren und so die Gefahr verstärken an Harninkontinenz zu erkranken.

Sogar das eigene Verhalten kann eine Harninkontinenz begünstigen. Gehen sie zu häufig auf die Toilette, passt sich die Blase irgendwann an die geringen Urinmengen an und kann keine größeren Mengen mehr aufnehmen. Aber auch zu selten wasserlassen ist nicht gut. Die Blasenmuskulatur ist dadurch ständig gedehnt und die Funktion der Blase wird gestört.

Auch familiäre Veranlagung kann ein Thema sein.

Welche Symptome deuten auf eine Harninkontinenz?

Anzeichen / Symptome für eine Harninkontinenz sind zum Beispiel:

  • Plötzlicher, übermäßig starker Harndrang obwohl die Blase noch nicht voll ist
  • Tropfenweiser Urinverlust beim treppensteigen, tragen schwerer Gegenstände oder Taschen, husten oder niesen
  • unkontrollierter Urinverlust im Stehen oder Liegen ohne vorherigen Harndrang
  • wenn die Blase voll ist, läuft immer eine kleine Menge “über” (Überlaufinkontinenz) und tröpfelt in die Unterhose.
  • Man spürt nicht, wann die Blase gefüllt ist, und kann auch die Entleerung der Blase nicht mehr steuern. Die Blase entleert sich selbstständig, in mehr oder weniger gleichmäßigen Abständen. Oft verlieren betroffene Personen aber nur einen Teil der Blasenfüllung (Reflexinkontinenz).

Diagnose

Zunächst einmal muss bei einem Arztbesuch festgestellt werden, welche Form der Inkontinenz vorliegt. Dieser beginnt in der Regel mit einem Gespräch, in dem allerlei Fragen über die Symptome, die Menge des Urinverlustes, oder auch über die Geschwindigkeit gestellt werden. Oftmals wird auch ein Trink- und Miktionsprotokoll erstellt. Darin wird festgehalten, was der Patient / die Patientin wann getrunken hat, wie stark der Harndrang vor dem Gang auf die Toilette war und ob es zu einem unwillkürlichen Harnabgang kam. Gegebenenfalls wird auch vermerkt, wie viele Einlagen oder Vorlagen die Person verbraucht hat.

Zudem gibt es noch körperliche Untersuchungen, eine Urinuntersuchung und die Restharnmessung mit Ultraschall. Diese ist wichtig um festzustellen, ob nach dem Wasserlassen Restharn in der Blase verbleibt, oder ob diese komplett geleert wurde.

Weitere Untersuchungen sind der Stresstest und der Vorlagen-Wiegetest. Beim Stresstest wird geprüft, wie viel Urin unter Druck auf den Bauchraum in einem bestimmten Zeitraum, beispielsweise beim Niesen abgeht. Bei einem Vorlagen-Wiegetest wird überprüft, wie viel Urin in einem bestimmten Zeitraum verloren geht.

Diagnose Harninkontinenz

All diese Untersuchungen können beim Hausarzt vorgenommen werden. Sollte die Diagnose aber unklar sein, würden Sie zum Facharzt überwiesen werden. Fachärzte sind: der Gynäkologe, der Urologe oder auch der Neurologe. All diese Fachärzte können weiterführende Untersuchungen vornehmen.

Welche Therapiemethoden und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei Harninkontinenz gibt es keine allgemein gültigen Therapieempfehlungen. Die Behandlung ist stets sehr individuell und hängt von der Diagnose ab. Zudem bedarf es einer umfangreichen Aufklärung bezüglich der Vor- und Nachteile einer Therapie.

Allerdings gibt ein paar Therapiemethoden, die gern und häufig eingesetzt werden. Dazu zählen:

  • Beckenbodentraining
  • Blasentraining
  • Medikamente
  • Gewichtsabnahme
  • Hormontherapie
  • Elektrostimulation

Beckenbodentraining

Beckenbodentraining kann vor allem bei Inkontinenzformen wie Dranginkontinenz und Belastungsinkontinenz helfen. Dabei ist es wichtig, dass das Training richtig ausgeführt und von fachkundigen Personen angeleitet wird. Falsches Training kann ineffizient, oder im schlimmsten Fall schädlich sein. Bei richtiger Anleitung ist es aber sogar für schwangere Personen geeignet.

Ein Manko: es ist nicht leicht seinen Beckenboden zu trainieren. Oftmals fällt es schwer die Muskeln überhaupt zu spüren und sie entsprechend zu aktivieren. In diesem Fall gibt es kleine, unauffällige Hilfsmittel. Fragen Sie nach Biofeedbacktraining.

Angeboten wird Beckenbodentraining sowohl in Fitnessstudios, als auch bei der VHS oder in Sportvereinen.

Beckenbodentraining bei Harninkontinenz

Blasentraining

Blasentraining ist eine weitere Methode Harninkontinenz-Beschwerden zu lindern. Dazu gehören:

  • Toilettentraining (feste Zeiten, zu denen man auf die Toilette geht)
  • geeignete Getränkeauswahl (kaum bis kein Kaffee, bestimmte Tees, Cola
  • richtiges Trinken (keinesfalls zu wenig, das schadet nur)
  • richtige Ernährung (kaum bis wenig scharfes Essen)
  • Übungen, die helfen den Harndrang hinauszuzögern oder zu mildern
  • autogenes Training, wenn die Ursache seelisch bedingt ist

Medikamente

Manche Medikamente können sich negativ auf die Blasenfunktion auswirken, indem sie die Blase reizen. Diese sollten, wenn irgend möglich nach Rücksprache mit dem Arzt gegen besser verträgliche Medikamente ausgetauscht werden.

Das bedeutet aber nicht, dass alle Medikamente eine Harninkontinenz auslösen können. Im Gegenteil, es gibt auch Medikamente, die gezielt helfen können.

Dazu gehören:

Medikamente mit dem Wirkstoff Duloxetin
Anticholinergika
der Wirkstoff Mirabegron

Doch auch bei diesen Arzneimitteln ist Vorsicht geboten, denn sie haben zum Teil starke Nebenwirkungen. Dabei sind Medikamente mit Mirabegron oftmals besser verträglich als welche mit Duloxetin. 

Medikamente Harninkontinenz

Gewichtsabnahme

Übergewicht kann nicht nur negative Auswirkungen auf Knie und andere Gelenke haben, auch für die Blase kann es belastend sein. Daher wird oftmals empfohlen sein Gewicht zu reduzieren.

Hilfreich dabei ist neben einer gesunden, der Inkontinenz angepassten Ernährung, natürlich Sport. Geeignete Sportarten sind: Yoga, Walken, Wandern oder Fahrrad fahren. Ungeeignet hingegen sind Kraftsportarten wie: Joggen, Tennis spielen und Ähnliches.

Sollten all diese Methoden nichts helfen, besteht gegebenenfalls noch die Möglichkeit einer Operation. Zum Beispiel eine so genannte Schlingen-OP, oder das Einsetzen eines Blasenschrittmachers. Auch kann ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden.

Hormontherapie

Eine Hormontherapie kann vor allem bei Frauen hilfreich sein, die in den Wechseljahren sind. Als Therapie werden eine östrogenhaltige Salbe, Zäpfchen, oder Östrogen-Tabletten verschrieben.

Elektrostimulation

Elektrostimulation kommt vor allem bei Dranginkontinenz als Therapieform vor.  Mittels elektrischer Reize werden Nerven angeregt, welche Einfluss auf die Blasenfunktion haben.

Die elektrischen Impulse sind schwach, schmerzfrei und ungefährlich. Sie steuern den sogenannten Blasenschrittmacher.

Hilfe & Unterstützung im Alltag

Da Harninkontinenz so vielfältig in ihren Formen und von Mensch zu Mensch sehr individuell ist, kann man pauschal kein bestimmtes Hilfsmittel nennen. Allgemein lässt sich aber sagen, dass es für die unterschiedlichen Stärken des Urinverlustes und Formen der Harninkontinenz viele moderne Hilfsmittel gibt, die einem das Leben mit einer Harninkontinenz erleichtern.

Dazu zählen:

  • Einlagen für Frauen
  • Einlagen für Männer
  • Große Vorlagen (Unisex)
  • Inkontinenz-Pants (Männer, Frauen, Unisex)
  • Inkontinenz-Slips - Flex und Kebewindeln (Unisex) 
Hilfsmittel Harninkontinenz

aber auch Produkte, die sich der Ableitenden Inkontinenz zuordnen lassen, wie:

  • Einmalkatheter
  • Dauerkatheter
  • Urinalkondome
  • Pessare
  • Vaginaltampons
  • Bein- Bett- oder Hüftbeutel als Ergänzung zu Kathetern oder Urinalkondomen

Ergänzend sind auch noch Bettauflagen (Einweg / waschbar), Pflegeoveralls- und bodys, wasserdichte Überziehhöschen, Penisklemmen und mehr erhältlich.

Fazit

Harninkontinenz betrifft mehr Menschen, als man glaubt. Sowohl Frauen als auch Männer sind betroffen. Trotzdem ist es noch immer ein Tabuthema. Dabei gibt es mittlerweile für jede Form der Harninkontinenz sehr gute Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten. Dazu zählen: Beckenbodentraining, Blasentraining, Medikamentöse Therapie und viele mehr. Auch hygienische, praktische Hilfsmittel sind vor allem im Onlinehandel diskret und schnell erhältlich.

All diese Optionen helfen, Ihre Beschwerden zu lindern und den Alltag wieder etwas freier und unbeschwerter gestalten zu können.  

Aktiv mit Harninkontinenz

Medizinischer Disclaimer

Die hier dargestellten Inhalte dienen lediglich zur Information. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen, Problemen oder Beschwerden an Ihren Arzt!



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